Sternentstehungsgebiet M17 im Sternbild Schwan (Quelle: ESO)Aus Anlass des letzten und vierten Teils der Vortragsreihe „Konzepte von Schönheit in Kunst und Wissenschaft“ unternehmen die geladenen Referenten einen Ausblick: Thema an diesem Abend ist die Beobachtung des Himmels in Astronomie und Bildender Kunst. Dr. Dirk Soltau, Astrophysiker, erläutert den Zusammenhang von naturwissenschaftlicher Beobachtung und Schönheit in der Geschichte der Astronomie, wie etwa in der Vorstellung symmetrischer Himmelsbahnen gegeben. Björn Dahlem, Bildender Künstler, beschäftigt sich mit der Ästhetik der Modelle der Himmelskörper in der Naturwissenschaft. Im Anschluss an ihre Vorträge begeben sich beide Referenten in ein Gespräch.
Dr. Dirk Soltau, Astrophysiker am Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik,
Freiburg. „Ist das Universum schön?“
Am Anfang der Beschäftigung mit der Naturwissenschaft steht häufig eine ästhetische Faszination. Dies gilt besonders für die Astrophysik. Doch führt die Suche nach der Schönheit in den Naturwissenschaften auch zur Wahrheit? Diese Frage wurde früher von vielen Wissenschaftlern bejaht. Doch heute ist man sich nicht mehr so sicher. Im Gegenteil: Verführt von der Schönheit, ist es leicht, dem Irrtum zu
erliegen.
Björn Dahlem, Bildender Künstler, Berlin.
„Die Architektur des Himmels“
Björn Dahlem geht in seinem skulpturalen Schaffen nicht vom Stabilen, sondern vom Fragilen aus – ganz so, wie er die Verfasstheit des menschlichen Wissens begreift. Als profunder Kenner von Geistes-
und Kulturgeschichte transponiert Dahlem komplexe Themen, insbesondere der Astrophysik und der Philosophie, in das Feld der Kunst. Seine Skulpturen und Installationen, die er meist unter Verwendung von profanen Materialien aus Baumärkten und Trödelläden herstellt, setzen dort an, wo gesicherte Erkenntnisse an ihre Grenzen stoßen. Er begreift das Universum als geistiges Gefüge von
Gedanken- und Vorstellungsräumen, als ein Gebäude aus Bildern, in denen Wissenschaft und Mythos stets neu miteinander verschmolzen werden.