> Archiv 2002
> Naturtrüb
14. 2. 2003 - 30. 3. 2003
artist: Daniele Buetti
Zur Einzelausstellung des Schweizer Künstlers Daniele erscheint eine
umfangreiche Publiktaion im Hatje Cantz Verlag, herausgegeben von
Christoph Doswald.
Daniele Buetti
Daniele Buetti zählt zu den derzeit wichtigsten Schweizer Künstlern. Im
Kunstverein Freiburg realisiert er mit der neuen Installation Naturtrüb seine bislang umfangreichste Einzelausstellung in Deutschland.
Daniele Buettis Arbeiten zeichnen sich durch eine komplexe medienreflexive Dimension aus.
Buetti reagiert auf unsere Waren- und Konsumwelt, auf Träume und Illusionen, den aktuellen Umgang mit Glamour oder Lifestyle oder auch auf allgemeingültige Vorstellungen von Schönheit und Attraktivität.
Aus diesem Reservoir entwickelt er komplexe Arbeiten, in denen er häufig eine sehnsuchtsvolle Kulisse für einen
sprachlosen Raum des Intimen schafft: Die BetrachterInnen können einerseits eine medienreflexive Perspektive einnehmen, doch die atmosphärische Doppelbödigkeit der Arbeiten berührt immer wieder sehr persönliche und individuelle Standpunkte.
Christoph Doswald schreibt in seinem Essay: Einer
breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden ist vor allem Buettis künstlerische Reflexion der Schönheitsindustrie; die Pinwände und Leuchtkästen mit den skarifizierten Antlitzen und Körpern von Models wurden in der Kunstszene in den letzten fünf Jahren vorab als Zeugen für affirmative Lifestyle-Strategien oder ästhetische Nivellierungen im Zeichen globaler Marktstrukturen gezeigt. Doch diese Lesart ist nur eine Facette in einem Werk (...). Buetti geht es um Kongruenzen, um Analogien, um Mechanismen, um Transformationen, um Strukturen. (...) Buettis Analysen und Diagnosen, in atmosphärischen
Installationen materialisiert, mit kalkulierter Nonchalance inszeniert und mit tragisch-komischer Metaphorik vorgetragen, legen die Fallstricke unserer Wahrnehmung offen, die immer mehr von mediatisierten statt von unmittelbaren Erfahrungen geprägt wird. Ohne zu moralisieren oder zu banalisieren gelingt ihm
eine überzeugende Gratwanderung zwischen Unterhaltung, Ironie,
Nachdenklichkeit und Schönheit. Und eine künstlerisch fundierte Reflexion über den Zustand der Bilder.
> Beinahe wirklich
6. 12. 2002 - 12. 1. 2003
Ein Gruppenprojekt im Rahmen der Regionale Basel
Beinahe wirklich, 6.12.2002 bis 12.1.2003
Airline, CH / Anna Amadio, CH / Petra Blocksdorf, D / Manuel Frattini, D / Sonja Feldmeier, CH / Liliane Freiermuth, CH / Philipp Gasser, CH / Ben Hübsch, D Daniel Göttin, CH / Indra, CH / Erika Maack, CH /
Esther Pfirter, CH / Christian Schoch, CH / Katja Wüstehube, D / Christa Ziegler, CH
Surprise: rhinocéros, F
Videoprogramm: Bendji, CH (Albena Mihaylova Stefania Akrabova) / Ildico Csapo, CH / Marica Gojevic, CH /
Pascale Grau, CH / Hansjörg Palm, D
Performance am Eröffnungsabend: Reto Pulfer, CH
Dokumentationsraum: Olga Allenstein, D
Meetingpoint im Kommunalen Kino Freiburg am 19.12., 19.30: Section Film, Le Quai, école supérieure dart de
Mulhouse, F, stellt ihre Filme vor;
Einführung: Professor Rainer Oldenburg
Der Kunstverein Freiburg ist ein sogenannter Satellit der Regionale, einer Ausstellung die mittlerweile zum dritten Mal als trinationales Projekt mit Schwerpunkt Basler Künstlern stattfindet.Unter dem Titel Beinahe wirklich haben wir aus drei Ländern KünstlerInnen eingeladen, die sich auf sehr unterschiedliche Weise mit der
Wirklichkeit beschäftigen. Bewusst holen sie ihre Referenzen aus dem Alltag oder greifen unterschiedliche privatmythologische Ereignisse auf, und entwickeln aus diesem Reservoir neue, irritierende oder auch verführerische Erlebniswelten. Zu der Ausstellung erscheint ein Booklet.
Parallel zu der Ausstellung inszeniert die in Freiburg lebende Künstlerin Olga Allenstein den Dokumentationsraum des Kunstvereins zu einer begehbaren Skulptur. Plastik als Handlungsform wird hier einen besonderen Ausdruck erhalten.
An diesem neuen Ort startet auch anlässlich der Regionale das Projekt Wanderpokal:
Die in Freiburg lebenden KünstlerInnen Andrea Mihaljevic Stefan Hösl haben ein mobiles Info-Zentrum entworfen, das wir während der Regionale durch verschiedene Institutionen schicken. Damit möchten
wir die Facetten Freiburger Kunstschaffens intensiver vorstellen.
> Martin Wehmer / Stephan Melzl
13. 9. 2002 - 3. 11. 2002
Malerei
Kühle Emotionen - Martin Wehmer
Der in Freiburg lebende Künstler Martin Wehmer hat in den vergangenen Jahren eine kraftvolle und eigenwillige malerische Position entwickelt, die sich einer abstrakten und zugleich konkreten Formensprache bedient. Vor dem Hintergrund aktueller Behauptungen, es gäbe zurzeit eine neue Gegenständlichkeit,
erscheinen Wehmers großformatige Bilder in ihrer furchtlosen Bejahung malerischer Potenz geradezu frech und mutig.
Seine Ausstellung im Kunstverein Freiburg basiert auf zwei noch nicht abgeschlossenen und fast zeitgleich entstandenen Werkgruppen, die sich mit zwei verschiedenen Themenbereichen
beschäftigen: mit einer malerischen Verdichtung von Form und Farbe und einer Entgrenzung und Ausdehnung derselben in den Raum.
Oberfläche bedeutet in Wehmers Arbeiten, mit einem geradezu körperlichen Umgang mit Farbe, Nähe zu simulieren. Doch die Nähe erstarrt in einer ornamenthaften Bearbeitung unterschiedlicher Flächensegmente oder abererscheint nicht fassbar: Es geht um ein permanentes Wechselspiel zwischen Stillstand und Bewegung,
Nähe und Ferne, Emotionalität und Verstand.
Zarte Abgründe - Stephan Melzl
Die neuen Arbeiten von Stephan Melzl zeigen eine beunruhigende Sicht der Welt.
Beunruhigend nicht deshalb, weil die Bilder von einer offenen und erkennbaren Gefahr erzählen, sondern weil ihr intimer, mystischer Ton verunsichert. Sie geben uns keine klaren Richtlinien, wie wir unser Urteil fällen sollen, sie appellieren nicht an uns, zu verstehen was geschieht. Eine ihrer Eigenschaften besteht darin, uns wirklich in der Luft hängen zu lassen. Erklärende Begriffe wie absurd, merkwürdig, eigenartig, erotisch oder pervers tauchen genauso schnell auf wie sie auch wieder verschwinden, denn Melzl arbeitet präzise mit feinen emotionalen Abstufungen. Die dargestellten Figuren scheinen weder ihrer noch unserer Welt anzugehören. Sie erscheinen wie Illusionen ihrer selbst, wie reine Vorstellungen, die ihren Spiegelbildern aus der Realität begegnen. Mancher ihrer
Blicke trifft uns unmittelbar und öffnet damit den Raum zwischen Bild und Betrachter in einer Weise, in der die atmosphärische Ambivalenz des Bildes zur eigenen wird. Diese Atmosphäre spielt mit Abgründen, die nicht nur schrecklich, sondern auch komisch oder absurd erscheinen.
> Kein Ort, nirgends
28. 6. 2002 - 25. 8. 2002
Heike Kati Barath/Knut Eckstein/Zilla Leutenegger/Hellen van
Meene/Guillaume Pinard/Günter Umberg/Alexandra Vogt. -
Die Ausstellung -Kein Ort, nirgends- geht auf die Suche nach einer nach Innen wirkenden Kraft, mit der glaubhaft und doch inszeniert eine Identität entwickelt wird, die sich durch eine starke Autonomie
auszeichnet. Es ist die Autonomie einer nicht sentimentalen, sondern eher pragmatischen Zerrissenheit zwischen Verstand und Gefühl, zwischen Fiktion und Wirklichkeit.
Wir haben exemplarisch sieben Künstlerinnen und Künstler eingeladen, die mit ihren Arbeiten auf unterschiedliche inhaltliche und mediale Weise die Grenzen zum Unterbewussten ausloten und für das Unaussprechbare an sich verschiedene Formen der Kommunikation finden. Diese Formen bedienen sich der Kunstgeschichte, des Malereidiskurses, der Comicsprache, Themen des Lifestyles oder auch der Politsprache. Gemeinsam ist ihnen vielleicht, dass sie die alten Fragen, die bereits Paul Gauguin mit
seinem Bild von 1897 - Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? - gestellt hat, neu und aktuell diskutieren: In einer Synthese zwischen Nachdenklichkeit, Affirmation, Lust und Aufmerksamkeit entwickelt die Ausstellung Kein Ort, nirgends einen Spiegel für die produktive Kraft von Unsicherheit.
> Legal Crimes / Cosmos
26. 4. 2002 - 16. 6. 2002
Jochem Hendricks und Boris Achour beschäftigen sich in zwei
Einzelausstellungen mit Erinnerungen und Fantasien als Reservoir für unterschiedliche Lebensentwürfe.
Seit 1995 entwickelt der in Frankfurt lebende Künstler Jochem Hendricks (geb. 1959) die Werkgruppe Beutekunst.
Es handelt sich dabei um unterschiedlich wertvolle Gegenstände, die
Hendricks meist in Kaufhäusern oder ähnlichen Geschäften stiehlt. Diese Werkgruppe, die sich bislang unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf einem riskanten Grat zur Illegalität entwickelte, kulminiert nun in einer überdeutlichen und spektakulären Geste: Jochem Hendricks realisiert anlässlich seiner Einzelausstellung im Kunstverein Freiburg die Arbeit Miniturm Maxisockel, einen dreistöckigen, siebeneinhalb Meter hohen und begehbaren Turm, der ausschließlich aus gestohlenen Materialien besteht und
in dem zum ersten Mal Hendricks` Beute der letzten Jahre gezeigt wird.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalogbuch im modo Verlag Freiburg; mit Texten von Bernhard Johannes Blume / Klaus Görner /
Olivier Kaeser
In der Arbeit Cosmos, die sich auf der gesamten Galerie im ersten Stock ausdehnt, zeigt Achour in einem schlichten Regalsystem Videokassetten, deren Cover der Künstler selbst gestaltet hat.
Jede Kassette trägt neben den üblichen Namen von Produktionsfirmen, Copyright-Hinweisen und kurzen und amüsanten Beshreibungen immer wieder den gleichen Titel und Autor: Cosmos von Boris Achour. In Anlehnung an den gleichnamigen Roman von Witold Gombrowicz subsumiert Achour unter diesem Titel jedoch Filme unterschiedlicher Genres zu einem rasanten Parcours durch eine fiktive Filmgeschichte, denn tatsächlich existieren keine Filme, die Hüllen sind leer.
Cosmos regt an, sich verschiedene Realitäten eines jeweiligen Films
vorzustellen und sich die Zeit zu nehmen, gedankliche Abstecher ins Fiktive zu wagen: So entsteht ein Cosmos aus unterschiedlichen Vorstellungen und Erinnerungen, gespeist aus den
Assoziationen und Fantasien, die die jeweiligen Cover vermitteln.
> Einzelausstellung, Dirk Skreber
1. 3. 2002 - 14. 4. 2002
artist: Dirk Skreber
Ältere Arbeiten aus den letzten 4 Jahren / aktuellste Werke von 2002 /
eine raumbezogene Installation /
Modelle in einem neuen Raum des Kunstvereins
Dirk Skreber (geboren 1961 in Lübeck), im letzten Jahr ausgezeichnet mit dem begehrten Preis der Nationalgalerie, polarisiert, denn seine Bilder lassen sich nicht auf einen eindeutigen Nenner bringen: Sie spiegeln eine zeitgenössische und reflektierte Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Wirklichkeitserfahrungen wider und stellen trotzdem immer wieder die alten und spannenden Fragen nach dem Wesen der Malerei.
Wenn Dirk Skreber Zeitungsbilder von Katastrophen wie zum Beispiel einer Überschwemmung in Malerei übersetzt, Frontalansichten von menschenleeren Einfamilienhäusern zeigt, oder hyperrealistisch anmutende Lokomotiven aufeinander zurasen läßt, geht es letztendlich nicht um die einzelnen Motive.
Motive wie Katastrophe oder Kleinbürgertum bieten nur die erste Möglichkeit, um von einem Gegenstand zu einem Zustand zu kommen.In Skrebers Bildern begegnen wir einer nicht gesicherten Situation, einem nicht gesicherten Ort. Diese Situationen präsentieren keine eindeutigen Erscheinungsformen, sondern bedeuten eine ästhetische Katagorie, deren Identität unter Verwendung sicherer Wertmaßstäbe - wie Katastrophe, Kleinbürgertum, Erinnerungen etc. - eine bedrohliche, weil nicht einschätzbare Atmosphäre schafft.
In vergangener Zeit tauchen Skrebers Arbeiten häufig unter dem Schlagwort Neuer Realismus auf, dabei müsste er - wenn man ihn schon kategorisieren möchte - eher als Neuer Abstrakter bezeichnet werden.
Dirk Skreber selbst beruft sich immer wieder auf sein vorherrschendes Interesse vor allem an den Möglichkeiten der Farbe als solcher, und dennoch basieren seine Bilder im Wesentlichen darauf, dass ein zeitgenössischer Umgang mit unterschiedlichen Wirklichkeitsformen mehr verwirft, als er behauptet.
Dirk Skreber zeigt in Freiburg neben Arbeiten der letzten vier Jahre seine neuesten Bilder. Modelle fiktiver Architekturen sind außerdem in einem völlig neu bespielten Raum des Kunstvereins zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, den Sie bei uns telefonisch oder per Internet (siehe
Rubrik Publikationen) bestellen können.
Auswahl Einzelausstellungen seit 1998:
Portfolio, Wien
Luis Campana Galerie, Köln
Blum
> Maria Marshall zeigt in einer Einzelausstellung 8 Filmarbeiten:
23. 11. 2001 - 13. 1. 2002
artist: Maria Marshall
Maria Marshall (geb. 66 in Bombay) beschäftigt sich seit 1998 mit
dem Medium Film. Ihre Arbeiten zählen zur Zeit zu den
spannendsten und aufregendsten in diesem Bereich.
Der Kunstverein Freiburg zeigt vom 23. November bis 13. Januar 2002
acht Film-Arbeiten der britischen Künstlerin Maria Marshall
(geb. 1966 in Bombay) und realisiert damit Marshalls bislang umfangreichste institutionelle Einzelausstellung in Europa.
Maria Marhall beschäftigt sich seit 1997/98 mit dem Medium Film und ihre Arbeiten zählen zur Zeit zu den spannendsten und aufregendsten in diesem Bereich.
Die Themen ihrer Filme basieren häufig auf der Inszenierunprivatmytologischer Geschichten, die die ZuschauerInnen in eineverführerischen und zugleich erschreckenden Bann unterschiedlicher
Erinnerungen ziehen.Die Aura um ihre Protagonisten - wie zum Beispiel ein kleiner Junge, der in slow-motion verführerisch eine Zigarette zu rauchen scheint, oder eine geheimnisvolle Frau, die in einer Villa steht und deren Haut durch eigentümliche Weise wie von innen nach aussen gedrückt wird - schafft emotionsgeladene und rätselhafte Situationen, die die ZuschauerInnen in eine ambivalente Doppelrolle zwischen Voyeur und Kompli- zen bringen.
Aufgrund der hochspezialisierten Technik zeigen Marshalls Filme brillante Farbqualität, die die malerische Dimension und zugleich die Künstlichkeit der einzelnen Szenen und Sequenzen noch verstärkt. Die in London lebende Künstlerin bedient sich für ihre Arbeiten einer grossen und professionell eingesetzten Bandbreite filmischer Techniken und filmt das Ausgangsmaterial in den drei Formaten 8mm, 16mm oder 35 mm.
Im Anschluß daran wird das Material digital und komplex
weiterverarbeitet.
Anläßlich der Ausstellung wird im Verlauf des kommenden Frühjahrs eine
umfangreiche Publikation in englischer und deutscher Ausgabe im modo
Verlag Freiburg erscheinen.
www.bertold.de
