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> Archiv 2004

 

> Reinhold-Schneider-Preis
05. November bis 21. November 2004

Peter Vogel
Freya Richter
Sabine Wannenmacher
5.11. bis 21.11.2004


Der Reinhold Schneider Preis ist der hochdotierteste Kulturpreis der Stadt Freiburg. Er wurde nach dem in Baden-Baden aufgewachsenen Schriftsteller Reinhold Schneider benannt und ist 1960 als Kulturpreis der Stadt Freiburg eingerichtet worden. Der Preis - mit 15.000 Euro dotiert - wird alle zwei Jahre im Wechsel in den Sparten Musik, Bildende Kunst und Literatur vergeben. Darüber hinaus erhalten weitere PreisträgerInnen eine Förderauszeichnung von insgesamt 6.000 Euro.
Diesjähriger Preisträger für Bildende Kunst ist der Freiburger Künstler Peter Vogel. Der Förderpreis wurde zu gleichen Teilen gesplittet und ging an Freya Richter und Sabine Wannenmacher.
Der Kunstverein Freiburg widmet den Preisträgerinnen eine umfangreiche Ausstellung und möchte dadurch nicht nur ein Zeichen hinsichtlich der Wichtigkeit einer solchen Anerkennung setzen, sondern darüber hinaus dem Hauptpreisträger Peter Vogel und den beiden Förderpreisträgerinnen ein großzügiges Forum widmen.

Peter Vogel

Peter Vogel zählt zu den wichtigsten Vertretern und Pionieren der interaktiven Kunst. Seine Arbeiten basieren auf dezidierten Klangkompositionen und überzeugen formalästhetisch durch ihre einzigartige Verbindung zwischen ihrer technischen Anmutungsqualität und ihrer raumbezogenen Ausdehnung. Vogel studierte zuerst Physik, beschäftigte sich dann ausgiebig mit der Hirnforschung und kybernetischen Modellen der Neurophysiologie und Psychologie. Im Anschluss daran startete er seine künstlerische Tätigkeit im Jahr 1955.

 

Nachdem er sich im Feld der Malerei, des Tanzes und der Komposition elektronischer Musik bewegt hatte, entwickelte er schlussendlich im Jahr 1969 seine ersten Experimente mit kybernetischen Plastiken. Im Kunstverein Freiburg wird Peter Vogel die sehr komplexe und interaktive elektronische Installation "Nagoya-Klangwand / The Sounds of shadow" zeigen. Die Nagoya Klangwand ist ein 6 Meter breites und aus elektronischen Bauteilen konstruiertes Relief, das auf Bewegungen und Schatten des Betrachters mit Klängen reagiert. Jeder der 14 Sensoren löst eine eigene musikalische Minimal-Sequenz - repetitive Tonfolgen - aus, die mit anderen beliebig kombiniert und in ihrer Lautstärke variiert werden kann. Die Interaktion mit der Klangwand ist ein Bewegungsspiel und gleichzeitig auch ein Spiel mit Klangfiguren: Das vorgegebene Material stellt den ersten Teil einer Komposition dar, deren zweiter Teil vom Betrachter/Spieler/Tänzer vollendet wird.


Freya Richter

Freya Richter bespielt Räume, indem sie deren Beschaffenheit für den Betrachter sichtbar macht. Ihre Holz- und Papierinstallationen sind das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit der jeweiligen Situation vor Ort. Ihre ausgeklügelten, gebauten Holzkonstruktionen - gebaute räumliche Situationen aus Latten, Leisten, Keilen und Klötzen - antworten auf architektonische Gegebenheiten und schreiben sich dem Ort regelrecht ein. Während ihre leichten, filigran-luftigen Papierarbeiten Licht und Schatten aufnehmen und Luftzirkulationen weitertragen.

 

 

Es ist ein Spiel mit Gegensätzen: Eine gewollte, gebaute Situation antwortet auf eine gegebene, vorherrschende, etwas Leichtes trifft auf etwas Schweres, Elastizität tritt in unmittelbaren Dialog mit Rigidität. Freya Richter verbindet und reizt dabei materielle, räumliche und statische Grenzen bis zum Äußersten aus. Im Kunstverein Freiburg nehmen ihre in-sito Installationen - Arbeiten, die vor Ort entstehen - direkten Bezug auf die spezifische Licht- und Raumsituation des Hauses.

Sabine Wannenmacher

Zwischen Bertold Brecht und Beastie Boys, zwischen inhaltlicher Relevanz und naiver Plakativität manifestiert sich Sabine Wannenmachers absurd-surreale Sicht auf die Welt und das eigene Ich. Ihre Arbeiten sind unmittelbare Kommentare auf unsere Gegenwart. Während sie auf der einen Seite tagebuchartig einen Einblick in die Privat- oder Intimsphäre der Künstlerin zu geben scheinen, verbergen sie sich gleichzeitig hinter einer stereotypen Allgemeingültigkeit. Das porträtierte Pony, mit rosa Halfter und treuen rehbraunen Augen oder das Bild eines verliebten jungen Pärchens Händchen haltend inmitten einer Blumenwiese, sie sind Spiegel unserer von einer schnelllebigen Konsumgesellschaft und Werteverlust gezeichneten Zeit in pastos kindlicher Handschrift, unschuldige Mädchenfantasien in Bonbonfarben?! Doch verborgen hinter dieser scheinbar plakativen Naivität, die wie tagträumerische Kindheitserinnerungen oder bonbonfarbene Mädchenfantasien wirken, verstecken sich oftmals philosophisch-intellektuelle Ansätze.

 

 

 

 

Kurzbiografien:

Peter Vogel
Geb. 1937 in Freiburg, lebt und arbeitet in Freiburg
Einzelausstellungen [Auswahl]: 1984 Arras Gallery, New York·(USA) / 1989 Galerie Carzaniga + Ueker, Basel (CH) / 1997 Retrospektive: Skulpturenmuseum Marl, Landesmuseum Mainz, Schneider-Stiftung, Freiburg / 1999 Goethe Institut, Toronto (CAN)·/ ARTCO Galerie, Leipzig·/ 2000 Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt / Galerie Wim Vromans Amsterdam (NL) / 2001 Galerie Gudrun Spielvogel, München / Galerie Ruth Sachse, Hamburg / 2002 Goethe-Institut, Montevideo (Uruguay) / Galerie Baumgarten, Freiburg / Galerie Tom, Tokyo (Japan) / 2003 Galerie Lara Vincy, Paris (F) / 2004 Scène Nationale d'Orléans, Orléans (F) / Galerie der Stadt Remscheid

Freya Richter
Geb. 1975 in Heidelberg, seit 1999 Studierende an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, Außenstelle Freiburg (bei u. a. Ernst Caramelle, Günter Umberg)
Ausstellungen [Auswahl]: 2002 Im Haus 37, Freiburg / 2003 WERDER5 'Räume ändern', Freiburg / 2004 Gespuckt, Atelier Oda und Roland Bischoff, Lahr / Mulhouse 004, Parc des Expositions, Mulhouse (F)·/ Daeng, Kulturwerk im Turm, Freiburg

Sabine Wannenmacher
Geb. 1976 in St. Ingbert, 1997-2002 Studium Malerei an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, Außenstelle Freiburg (bei u. a. Silvia Bächli, Günter Umberg)
Ausstellungen [Auswahl]: 1999 weil, Weil am Rhein / 2002 Mulhouse 002, Parc des Expositions, Mulhouse (F) / 2003 Süddeutsche Grammatik Malerei Zwei, E-Werk, Hallen für Kunst, Freiburg / 2004 Regionale4 (Zusammenarbeit mit Manuel Frattini), Kunstverein Freiburg) / 2004 Die kleine Sonne im Schmelztiegel (Zusammenarbeit mit Manuel Frattini), Cargo Kulturbar, Basel (CH) / Das Auto fährt aber das Pferd nicht Auto, Galerie Friedberg 21, Berlin

 

>Eröffnung Kunsthaus L6

mit der Ausstellung:
„Mind the gap – Beachten Sie die Lücke“
15.10-7.11.2004 in L6, Lameystrasse 6, Freiburg
Öffnungszeiten: Do/Fr 16-20 Uhr; Sa/So 11-17 Uhr

Die Eröffnungsausstellung „Mind the gap – Beachten Sie die Lücke“ wurde von Dorothea Strauss kuratiert und ist eine Kooperation zwischen dem Kulturamt Freiburg und dem Kunstverein Freiburg.

Teilnehmende KünstlerInnen:

Maria Marshall, geb. 1966 in Bombay, lebt in London (Film)
Olaf Breuning, geb. 1970 in Schaffhausen, lebt in New York (Video)
Ilona Gaikis, geb. 1982 in Toronto, lebt in Freiburg (Video)
Hans Josephsohn, geb. 1920 in Königsberg, lebt in Zürich (Skulptur)
Schirin Kretschmann, geb. 1980 in Karlsruhe, lebt in Freiburg/Karlsruhe (Video)
Marco Schuler, geb. 1972 in Bühl, lebt in München (mixed Media)
Chia-Wen Tsai, geb. 1973 in Kaohsiung, Taiwan; lebt in Montreuil (Video, Performance)

„Mind the gap“ schallt es aus den Lautsprechern der Londoner U-Bahn, wenn die nächste Bahn naht und heißt so viel wie Vorsicht Spalt, Vorsicht Lücke: Lücke wird gemeinhin als etwas tendentiell eher Negatives betrachtet, denn sie beschreibt etwas Fehlendes. Der Ausstellungstitel „Mind the gap – Beachten Sie die Lücke“ verweist spielerisch auf diese Thematik als ein künstlerisches Reservoir für Gestaltungskraft, im Sinne einer produktiven Ungewissheit. Lücke also als Möglichkeit, den Dingen in individueller Weise auf den Grund zu kommen. Andere Worte drängen sich auf wie Grauzone, Zwischenbereich oder Atmosphäre, die man immer gerne verwendet, wenn man zum Ausdruck bringen möchte, dass das, was gesagt oder getan werden soll, nicht eindeutig bestimmt werden kann. So heißt Alexander Kluges neustes Buch auch : „Die Lücke, die der Teufel lässt“, und es ist nicht klar, ob es nicht genau die Lücke als solches immer wieder ist, die uns die Freiheit gibt, etwas aus neuer Perspektive zu sehen.
Auf der Suche nach Orientierung weist uns u.a. die Einbildungskraft immer wieder den Weg: Unsere Gefühle, Eindrücke, Ahnungen und Empfindungen führen uns durchs Dickicht sogenannter objektiver Tatsachen. Begriffe also wie Zwischenraum, Kluft oder auch Gesetzeslücke meinen auch Freiheitsräume. Im Zusammenhang mit Kreativität und Gestaltungskraft bieten sie uns die Möglichkeit eine neue oder andere Perspektiven einzunehmen. Sieben Künstlerinnen und Künstler aus Freiburg, London, Montreuil, München, New York und Zürich zeigen vielschichtige Arbeiten, die auf komplexe Weise die Betrachterinnen und Betrachter durch verschiedene Welten navigieren. Der erste Ausstellungsraum im Erdgeschoss steht dabei eher unter dem Mensch, bzw. Subjekt und der zweite Ausstellungsraum im Obergeschoss beschäftigt stärker mit unserem Umfeld, mit dem Raum, in dem wir uns bewegen.

Zu den einzelnen Arbeiten:

Erster Ausstellungsraum:


Marco Schuler

Marco Schuler zeigt vier aktuelle Videofilme, die er zum ersten mal präsentiert: von links nach recht: „Mönchsgrasmück“, 2004 / „Caterpillar“, 2004 / „Horror vacui“, 2004 / „Blockbuster“, 2004. Außerdem zeigt er die plastische Arbeit Panzer, 2004. Zwischen metaphorischen Zeichen einer Suche nach Körper, Alltäglichkeit, Kraft und Bewegung sind seine Arbeiten Ausdruck eines reflektierten und zugleich kraftvollen Umgangs mit dem Körperhaften an sich als Material und gleichzeitig Persönlichkeit. Schulers Videos vereinen poetische Momente mit einem ironischen und zugleich äußerst aufmerksamen Umgang mit einer symbolhaften Übertragung menschlicher Bedürfnisse und Ängste auf Bewegungsabläufe. In der Arbeit Caterpillar krabbelt der Künstler in einen Haufen eines aufgewickelten Schlauchs: Zwischen Komik, Verwunderung und Absurdität entwickelt sich ein metaphorisch dichtes Bild eines sehr individuellen Umgangs mit unserem alltäglichen leben.

 

 

In der Arbeit Blockbuster rennt der Künstler in eine Styroporplastik, die er zerstört: Auch hier eine humorvolle Referenz an Kunst als Werk und Wert, an die spielerische Auseinandersetzung und Dekonstruktion dieser Werte und Zusammenhänge. Die Arbeit Bunker wiederum zeigt die individuelle Formensprache Schuler: Ein eigentümliches Gebilde, in das man hineinkriechen könnte, jedoch nicht mehr selbstständig herauskäme: Schulers Arbeit ist filmisch und plastisch zugleich und zeigt einen selbstbewussten Umgang mit dem Verhältnis zwischen Raum und Körper.
Weitere Infos unter: www.wilmatolksdorf.de


Josephson

Hans Josephsohn zeigt drei seiner Halbfiguren (Ohne Titel, 1984 / 1988 / 1996/ Bronze): Birgid Uccia (Galerie Bob van Orsouw, Zürich) schreibt über Josephsohn: „(...)Ungeachtet öffentlicher Polemiken widmet sich Josephsohn mit unbeirrbarer Konsequenz der Neuerschaffung der menschlichen Figur. Und gerade darin scheint - im Zeichen der Wiederentdeckung des Körpers in der Kunst der Gegenwart - seine Aktualität zu liegen.(...)“.

 

 

Es ist äußerst interessant, dass Josephsohn gerade von einer jüngeren Generation wiederentdeckt wird. Dem gegenüber stehen die Halbfiguren, zu meist Frauen, solitär im Raum und begegnen den Betrachterinnen und Betrachtern wie in einem Dialog auf Du und Du. Scheinen die Reliefs eher einen inneren und auf sich bezogenen Dialog zu führen, ist der Kontakt zwischen den Halbfiguren mit den BetrachterInnen wesentlich direkter. Ihre Anmutungsqualität ist einzigartig, denn ihr Aussehen folgt einer besonderen Ästhetik; massiv und doch gleichzeitig unwirklich erscheint ihre angedeutete Gestalt eigentümlich vertraut und doch fremd: Sie begründen sich alle in der Realität, d.h. sie habe ganz konkrete Vorbilder. Und diesen scheinen sie auch ein wenig zu gleichen und gleichzeitig behaupten sie ihre ganz spezifische Individualität. Sie betonen einen Raum der Besonderheit, doch dies tun sie still und bestimmt, ohne Aufregung. Ihre Eigenheit verleiht ihnen Individualität und gleichzeitig aber auch – und dies ist entscheidend – verschiedene Möglichkeiten, ihr Aussehen zu interpretieren. Somit schafft Josephsohn ein Subjekt, dass sich durch eine offenen Haltung sich selbst gegenüber auszeichnet; diese spezifische Anmutungsqualität basiert u.a. nicht zuletzt auf der Behandlung der Oberfläche: Zerfurcht und vibrierend erscheint sie uns als eine außergewöhnliche Möglichkeit, eine Form – nämlich die der Figur – zusammenzuhalten, um sie gleichzeitig durch ihre Zerstückelung, bzw. Zerfurchung der Oberfläche in Frage zu stellen und sie in einen Diskurs über das „Ich“ zu überführen. Denn was wir sehen, erscheint fast wie ein Vexierbild zwischen einer Individualität, die sich als einheitliches Ich behauptet, und gleichzeitig mit der Option zu operieren scheint, diese auch zu dekonstruieren, in Frage zu stellen oder wir können auch sagen, zu erweitern.
Von nahem betrachtet kann sich der Blick in der Auflösung der Form verlieren und von weitem erscheint alles so, als gebe es nur diese eine Entscheidung. Hans Josephsohn thematisiert das Ich und Du in seinen Arbeiten auffällig heterogen, bei einer gleichzeitigen Wahrung einer kunsthistorischen Behandlung der Thematik der Figur. Figur zeigt sich hier als eine Art Zwischenstadium zum Inneren. Als eine Art Korridor-Situation zwischen dem Zusammenhalt der Figur und ihren selbstgenerierten Kräften, diesen auch aufzulösen. Weitere Infos unter: www.bobvanorsouw.ch; www.kesselhaus-josephsohn.ch


Ilona Gaikis, die in der Klasse Günter Umberg an der Staatl. Kunstakademie Karlsruhe, Zweigstelle Freiburg, studiert, zeigt Videoarbeiten, die in den vergangenen Monaten entstanden sind. Auf dem linken Monitor sind die beiden Arbeiten „Dreh“ und „Schneiden“ und auf dem rechten „Fall“ und „Haarexperiment“.
Unter Einsatz des eigenen Körpers inszeniert sie Situationen, die entweder an die Kindheit erinnern, wenn sie sich zum Beispiel - mit einer farbigen Pappkonstruktion behängt - immerzu dreht, oder aber spielerisch an autoaggressive Zustände erinnern, wenn sie sich immer wieder in eine Zimmerecke wirft. Gaikis Videos haben etwas poetisch verträumtes und gleichzeitig aufgrund der sich wiederholenden Handlungen auch etwas latent schmerzliches. Sie behandelt das Medium Video einerseits als Instrument, eine kurze Geschichte zu erzählen, andererseits verweist sie ganz deutlich auf den malerischen Aspekt ihrer Videobilder.


Maria Marshall

Maria Marshall, Cyclops, 2002
Maria Marshall realisiert Filme – es handelt sich nicht um Video sondern 16mm und 35 mm Filmmaterial, das digitalisert wurde -, die aufgrund ihrer suggestiven Kraft verführen und gleichermaßen verwirren. In der Ausstellung „Mind the gap – Beachten Sie die Lücke“ zeigt Marshall, die 2002 realisierte Doppelprojektion „Cyclops“, eine irritierende Topografie verwirrender Gefühle, dargestellt mit verstörend schönen Bildern.

 

Man sieht zwei Personen: Ein Junge und eine blondgelockte Frau – die Künstlerin selbst und ihr Sohn. Die Kamera geht nah an die Personen heran und der Wechsel zwischen der Schnittlänge der einzelnen Szenen schafft Irritation und gleichzeitig Anziehung. Raum und Personen werden immer wieder von der Kamera aufgespürt und in welchem Verhältnis beide zueinander stehen scheint ambivalent. Maria Marshall arbeitet mit unterschiedlichen Wirklichkeitsbezügen: Diese können aus Erinnerungen stammen, Unterstellungen sein, Fantasien, Visionen oder auch Ahnungen bedeuten. Die suggestive Kraft ihrer Bilder und auch der geheimnisvollen Situation schafft Unsicherheit und durchaus auch ein unangenehmes Grundgefühl, gepaart mit Anziehung. Unangenehm, weil die Situation diffus bedrohlich bleibt.

Maria Marshall
Weitere Infos unter: www.teamgal.com; www.arndt-partner.de

 

 

 

 

2. Ausstellungsraum, Obergeschoss:

Schirin Kretschmann

Schirin Kretschmann, die in der Klasse Leni Hoffmann an der Staatl. Kunstakademie Karlsruhe, Zweigstelle Freiburg studiert, hatte vor kurzem ein Stipendium in Mexiko. Dort sind auch ihre aktuellen Kurzvideos entstanden, die sie zum ersten mal im Kunstverein zeigt. In rascher und doch unaufgeregter Abfolge werden die Betrachterinnen und Betrachter teilweise sehr nahe an Begebenheiten des Alltags herangeführt, stark in der Farbe, meist stark auch in Bewegung. Details aus dem alltäglichen Leben geraten zur einer Suche nach Form, Farbe und Gestalt. Aus einem banalen, kleinen Windrad wird ein farbiges Spiel von Licht und Bewegung oder eine Zuckerwatte gerät zu einem Vehikel die Zeit zu vergessen.

 

Schirin Kretschmann versteht ihre Videoabfolge als eine art Essay, dass sich spielerisch einfügt in die Kartonlandschaft, aus der heraus die Videofilme projiziert werden. Die banale Alltagswelt der Kartons trifft auf die Lust der Verführung durch Bildern und Geschichten

 

Olaf Breunig

Olaf Breuning, HOME, Video-Doppelprojektion, 2004
Olaf Breuning arbeiten mit unterschiedlichen Medien. Zugespitzt formuliert könnte man Breuning durchaus als einer der wichtigsten Vertreter der einer neuen popkulturellen Bewegung bezeichnen. Seine Videos, Fotografien und aufwendigen Gesamtinszenierungen beziehen sich nicht nur auf unsere Popkultur, unsere Trash-Kultur und unseren von Fernsehen und Medien geprägten Lebensstil, sondern suchen darüber hinaus immer wieder eine Verbindung zwischen künstlich anmutenden Inszenierungen und einer tiefgründigen angelegten Suche nach echten Gefühlen.

 

Breunings Protagonisten sehen häufig aus, als seien sie aus einem Horrorfilm eines B-Movies entsprungen, einer Halloweenparty oder aber eines schlecht gemachten Thrillers. Er spielt mit deiner sehr spezifisch anmutenden Dilettantismus, den er jedoch paart mit starken Emotionen, „Home“, die neueste Videoinstallation von Olaf Breuning, die nun das erste mal in Deutschland gezeigt wird, besteht aus zwei Filmprojektionen. Der Zuschauer taucht in eine Welt der Erinnerungen und Phantasien des Hauptprotagonisten Breunings. Auf der rechten Leinwand kriecht keuchend und unheimlich ein junger Mann in seinem Hotelzimmer auf die unsichtbare Kamera zu. Auf der Flucht vor Gesellschaft und Alltag erzählt er Episoden aus seiner Vergangenheit, Geschichten aus seinem Bekanntenkreis und äußerst merkwürdige Visionen. „Home“ ist das bisher aufwendigste Filmprojekt Olaf Breunings. Weitere Infos unter: www.arsfutura.ch, www.arndt-partner.de

 

Chia-Wen Tsai, Jing /Jing, Installation/ Performance, 2004


Chia Wen Tsai

Die Taiwanesische Künstlerin Chia-Wen Tsai zeigt die atmosphärisch dichte Installation "Jing/Jing", eine Wasserlandschaft, in der sich das Licht des Videobeamers reflektiert. Tsai beschäftigt sich in ihren Arbeiten immer wieder mit der Idee des "xu", einer in der chinesischen Philosophie besonderen Form von Leere. In ihrer Arbeit "Jing/Jing" geht es um das Zirkulieren mentaler Bilder, die einen Raum der Leere schaffen. In dieser Leere können sich Gedanken, Vorstellungen und Erinnerungen verselbständigen. Von der Decke aus tropft aller paar Sekunden ein Tropfen ins Wasser: Die Wasserringe, die entstehen, setzen sich auf dem Boden und der Wand fort. Leicht und kontemplativ scheinen sie für eine kurze Dauer einen geradezu gegenstandsfreien Raum zu schaffen, in dem die Gedanken verweilen können, um beim nächsten Tropfen für einen kurzen Moment wieder gebündelt zu werden. Chia-Wen Tsai wird am Abend der Eröffnung eine Performance ihrer Arbeit zeigen: In langsamen Schritten geht sie durch das Wasser. Die Besucher werden angehalten, das Wasser mit der Hand in Bewegung zu bringen und sich in den fortsetzenden Wellen für einen Moment zu verlieren.

 

> Gilles Barbier

17. September bis 24. Oktober 2004

{English version see below}


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Die Frage danach, wie wir uns durch eine immer komplizierter erscheinende Realität bewegen können, verlangt nach Kriterien der Bewertung. Modelle, Strukturen und Systeme helfen uns dabei, die Orientierung nicht zu verlieren und die Flut der Informationen individuell zu nutzen: Auch die künstlerische Welt von Gilles Barbier ist komplex und basiert auf einer weit verzweigten und inhaltlich wie auch ästhetisch aufgeladenen Verknüpfung zwischen unterschiedlichen Systemen. Diese verbindet der französische Künstler zu einer Art gesamtkosmologischen Konzept, dessen Bereiche er in verschiedene Sphären und Zonen einteilt , die er u.a. als Pictosphäre, Infosphäre, Pornosphäre oder auch Megasphäre bezeichnet.

 

bombes

Im Zentrum von Barbiers Beschäftigung steht die Erforschung unserer Lebenswelten. Seine Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften, mit Linguistik, Psychologie oder auch Philosophie bietet ihm eine breite und humanistisch geprägte Grundlage, von der aus er weitere Themen behandelt, wie sie unsere Informations- und Kommunikationsgesellschaft generiert. Dabei interessieren ihn keine moralisierenden Haltungen und starren Systeme. Vielmehr geht es darum, Realität immer wieder neu zu interpretieren, sie zu korrigieren und dabei wieder neu zu definieren. Gilles Barbier arbeitet vielfältig: Mit seinen Installationen, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen oder auch Objekten inszeniert er komplexe Zusammenhänge, in denen er selbst als Alter Ego immer wieder auftaucht. Auf den ersten Blick erscheint diese unterschiedliche mediale Behandlung von starker Heterogenität und deutlichen Brüchen geprägt, doch erweisen sich diese bei näherer Betrachtung als notwendige Form, um einer besonderen Suche nach konstruktiver Widersprüchlichkeit gerecht zu werden.

 

 

 

Call Me

Gilles Barbier zeigt in seiner bislang umfangreichsten Einzelausstellung in Deutschland ein breites Konvolut großformatiger Gouachen – vierzig Arbeiten – und zudem die eindrückliche skulpturale Installation „L’Ivrogne“, die durchaus als Schlüsselwerk im Zusammenhang seiner Arbeiten gesehen werden kann.
Barbiers Gouachen bieten einen einzigartigen Einblick in seine künstlerische Haltung, denn sie verbinden alltägliche Realitätsformen mit neuen, imaginären Welten.

 

Stoß an Stoß ziehen sich die sepia-dunklen Bilder wie ein langes Band über die langen Wände im Kunstverein Freiburg. Wie Fliegenschwärme durchziehen Textfragmente die Arbeiten und legen sich um die einzelnen Bildobjekte: Texte in Sprechblasen oder als Untertitel kommentieren unterschiedliche Erzählstränge einzelner oder miteinander verwobener Motive und Momente. Haifische, arrangiert wie in einem Bestiarium, Surfer, die in einem Nichtraum auf imaginären Wellen reiten, Bomben, die durch ein dunkles und gleichzeitig kommentiertes Nichts fliegen oder Planetensysteme und molekülartige Gebilde, die wie kodierte Informationen erscheinen : Gilles Barbiers Gouachen ziehen uns in eine intensive Welt der Reflektion und Beobachtung hinein und verführen uns, Realität und Wirklichkeit neu zu entdecken.

Im Zentrum der Ausstellungshalle des Kunstvereins ist die sieben Meter hohe Arbeit „L’Ivrogne“ platziert: Das Alter Ego von Gilles Barbier kniet auf dem Boden und aus seinem Kopf steigen in einer Spirale die Gedanken empor: In den Arbeiten von Gilles Barbier geht es immer wieder um die grundsätzliche Notwendigkeit, konfektionierten Realitätsmustern zu misstrauen. Mit seiner präzisen Beobachtungsgabe, seinem entwaffnenden, ironischen Humor und einer starken Bildkraft hinterfragt Gilles Barbier Systeme, destabilisiert Sicherheiten und generiert dabei neue Realitätszusammenhänge.

Credits
Wir danken der Unterstützung: Stadt Freiburg, Land Baden-Württemberg, Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau. Unser herzlicher Dank bei der Vorbereitung der Ausstellung gilt der Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois, Paris sowie dem Musée d'art contemporain Val-de-Marne / Vitry.
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{English version}

> Gilles Barbier at the Kunstverein Freiburg
September 17 to October 24, 2004

 

In order to answer the question of how can we manoeuvre through reality given its apparently ever-greater complexity, we need evaluation criteria. Models, structures and systems ensure that we do not lose orientation, and help us to filter out from the flood of information those items that are of use to us as individuals. Gilles Barbier’s artistic world is complex in structure and based on intricate links – charged with meaning and aestheticism – between different systems. Barbier combines all of this to form a general cosmological concept, which he then subdivides into various spheres and zones –
described variously as pictosphere, infosphere, pornosphere and megasphere.

The primary focus of Barbier’s work is an investigation of the different worlds we live in. Given his own study of the sciences, linguistics, psychology and philosophy, he has a broad humanistic base that provides the starting point for his exploration of various additional topics, all typical offshoots of our information and communication society. But he is not interested in moralizing attitudes or rigid systems. Rather, he is intent on redefining reality again and again, correcting it, and thus redefining it. Gilles Barbier works in a variety of mediums: With his installations, drawings, photographs, sculptures and objects he orchestrates complex settings in which he repeatedly features as an alter ego. At first sight, this multi-media approach seems to be characterized by strong heterogeneity and marked fragmentation but a closer examination reveals this to be the form best suited to a search for constructive inconsistency.

In his most comprehensive solo show in Germany to date, Gilles Barbier presents a varied collection of large-format gouaches – forty works in all – together with the impressive, sculptural installation “L’Ivrogne“, which can arguably be viewed as pivotal in the context of his oeuvre.
Barbier’s gouaches offer a unique insight into his artistic strategy, as they combine everyday forms of reality with new, imaginary worlds. Positioned right next to each other the dark, sepia pictures spread out like a long ribbon over the walls of the Kunstverein Freiburg. The drawings are threaded through with fragments of text resembling swarms of flies that settle around individual picture subjects: texts in speech balloons or as subtitles comment on various narrative strands of separate or interwoven subjects. Sharks arranged as in a bestiary, surfers riding on imaginary waves in non-space, bombs that hurtle through a dark void that is nonetheless defined or planetary systems and molecular structures that look like coded information: Gilles Barbier’s gouaches draw us into an intensive world of reflection and observation, and entice us to rediscover reality.

At the center of the Kunstverein exhibition rooms stands, seven meters high, the sculptural work “L’Ivrogne“: the alter ego of Gilles Barbier kneels on the floor, thoughts spiralling upward from his head. A recurring theme in Gilles Barbier’s work is the need to mistrust orchestrated patterns of reality in principle. With his acute powers of observation, disarming, ironic humor and stark visual impact Gilles Barbier questions systems, undermines things that seemed certain, and in the process generates new reality contexts.

Credits:
We would like to express our thanks for their support to: the town of Freiburg, the federal state of Baden-Württemberg and Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau. Furthermore, our sincere thanks to Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois, Paris for preparing the exhibition, and finally the Musée d'art contemporain Val-de-Marne / Vitry.

 

> Christoph Büchel, Close Quarters
19. Juni bis 8. August 2004

Christoph Büchel (geb. 1966) wurde vor allem durch spektakuläre Rauminszenierungen bekannt und gehört zu den meist beachtetsten und provokantesten Künstlern seiner Generation.

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Auch wenn sie noch so apokalyptisch erscheinen: Die Räume, die der Schweizer Künstler Christoph Büchel entwirft, sind realer als uns lieb ist. Wir kennen sie aus Filmen (namentlich Science-Fiction oder Katastrophenfilmgenre), aus den täglichen Nachrichten, von Zeitungsphotos - vor allem aber aus unseren Albträumen, aus unseren verdrängten Phobien und Neurosen. Christoph Büchel scheucht uns mit seinen scharf beobachteten Szenarien durch die Hinterzimmer des eigenen Kopfes, durch die Katakomben des kollektiven Unterbewusstseins. Diese Räume sind weniger Fiktion oder Zukunftsvision, als vielmehr konsequent durchexerziertes, hyperrealistisches „worst case scenario“.

 

close quarters 1

Christoph Büchel verwischt in seinen „real life“-Environments die sichere Distanz zwischen Werk und Betrachter. Er dringt mit roher Gewalt in die gegebene Struktur - die Institution, den “White Cube“ – ein, bis von ihr nichts mehr übrig bleibt, und setzt den Betrachter nicht gerade zimperlich mitten ins Bild. Seine Inszenierungen sind kompromisslos, zynisch, surreal – und gleichzeitig höchst authentisch. So baute er z.B. die Wohnung einer fiktiven Person, die nichts wegwerfen kann, nach, oder ließ eine Schlammlawine in ein Wohnzimmer im Museum sausen. Für seine Installation Shelter II (2002) entwickelte er ein labyrinthartiges Rhizom thematisch verschiedener und durch ein gigantisches Röhrensystem verbundener, klaustrophobischer Räume als eine Art physisch erlebbare Psycho-Matrix. Wir werden gezwungen, die Rolle des passiven Zuschauers zu verlassen. Und werden selbst - oft unter vollem Körpereinsatz - zu Akteuren bzw. zu „Betroffenen“. Die individuellen Geschichten der fiktiven Bewohner, die gerade erst die Szene verlassen zu haben scheinen, übertragen sich dabei ganz unmittelbar auf uns.

 

close quarters 2

Die Arbeit CLOSE QUARTERS, die Christoph Büchel für den Kunstverein Freiburg neu entwickelte, greift die Geschichte dieses Ortes thematisch auf: Ein 1938 erbautes Hallenbad, das in den 90er Jahren zu einer Kunstinstitution umfunktioniert wurde, wird nun wieder zur Sporthalle umgebaut. Diese wird nach gängiger Praxis erneut zweckentfremdet als Auffanglager für Asylbewerber. Wie lange die imaginären Personen in den dicht gedrängten, provisorisch ausgestatteten und mit persönlichem Hab und Gut angefüllten Parzellen bereits leben, bleibt offen.

 

Die Gegenstände verweisen auf verschiedene Kulturen und individuelle Schicksale. Die einzelnen Räume werden zu Metaphern für entwurzelte Lebensentwürfe, die wiederum in absurdem Gegensatz zu der sie umgebenden institutionellen Situation stehen und im Labyrinth der notdürftig errichteten Behausungen aufeinander prallen.

 

close quarters 3

Wie in vorausgegangen Arbeiten geht es auch in CLOSE QUARTERS um die akute Fragilität von „Heimat“, um die Ambiguität des Begriffs „Heim“, um Existenzen, denen die Kontrolle über ihr Leben entglitten ist. Im minutiös arrangierten Chaos werden reale, gesellschaftliche oder politische Zustände anhand fiktiver Biografien offen gelegt, und mit den Mitteln einer Kunst, die zwischen Installation und Agitation, zwischen Fiktion und Realität operiert, auf uns zurück projiziert.

 


close quarters 4

 

 

 

Eva Scharrer, Ausstellungsassistenz Kunstverein Freiburg

Die Realisierung dieser Ausstellung wurde grosszügig unterstützt von: Stadt Freiburg, Land Baden-Württemberg; Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau; Galerie Hauser & Wirth, Zürich; Pro Helvetia, Arts Council of Switzerland. Und: Benz Sportgeräte; Caritas international; Centre Culturel Français Freiburg; Dallmayr Automaten-Service GmbH; Fairkauf Freiburg ; Farben Thon, Freiburg; Fundbüro Zürich; Brigitte Hagmeyer, Kleiderladen der Freiburger Sozialarbeit e.V.; Kuper GmbH, Freiburg; Ideenhändler International; Messe Freiburg; OBI GmbH & Co KG, Freiburg; Schul- und Sportamt der Stadt Feiburg; Siemens Building Technologies; Theater Freiburg

Ausstellungsdauer: 19.6. - 8.8.2004
Oeffnungszeiten: Di-So 11 - 17 Uhr, Mi 11 - 21 Uhr


{English Version}

 

> Christoph Büchel, Close Quarters

Christoph Büchel (born in 1966) is best known for his spectacular stagings of thematical rooms and is among the most recognized and provocative artists of his generation.

They might appear as apocalyptic, but the rooms the Swiss artist Christoph Büchel designs are actually more ‘real’ than we wish them to be. We know them from films (namely science-fiction and disaster-movies), from the daily news, from newspaper photographs – but above all, they seem familiar to us from our own nightmares, from our suppressed phobias and neuroses. Via his sharply observed scenarios, Christoph Büchel forces us through the backrooms of our heads, as well as through the catacombs of collective subconsciousness. These rooms are less fictional or dark visions of the future, as they are in fact consequently acted out, hyper-realistic worst-case-scenarios.

Büchel blurs the secure distance between the work and the observer in his ’real life’-Environments. He invades the given structure – the institution, the ’white cube’ – with raw power up to a point where it almost completely disappears, and sets the viewer directly into the picture. His stagings are all-out, cynical, surreal – und at the same time highly authentic. For instance, he re-constructed the apartment of a fictional messy person who is unable to throw anything out, or he let a debris avalanche crash into a living room installed in the museum. His installation Shelter II (2002) consisted of a labyrinthic rhizome of various claustrophobic rooms, which were connected through a large system of tubes, making of a sort of physically comprehensible psycho-matrix. We are forced to leave the role of the passive observer and become actors and relevant people ourselves – often with full bodily commitment. The individual stories of the fictional inhabitants, which seem to have just left the scene, are directly assigned onto us.

The work CLOSE QUARTERS has been developed for the Kunstverein Freiburg. It takes up the history of the building - an indoor public bath, built in 1938, which has been converted into an art institution in the 1990s - by re-constructing it into a gymnasium. This is again used for purposes other than intended, and, following a common practice, transformed into a refugees camp. It is left open how long the imaginary people have lived in the close, makeshift furnished quarters, packed with personal belongings coming from a variety of cultures.

Like previous works, CLOSE QUARTERS poses questions about the acute fragility of ’home’, the ambiguity implied in this word, and about lives which have somehow dropped out of control. In the meticulously arranged chaos, ’real’ social and political conditions are revealed via fictional biographies, and are reprojected on us by means of an art which operates between installation and agitation.

Eva Scharrer, Exhibition Assistant, Kunstverein Freiburg

The realisation of this exhibition was generously supported by: Stadt Freiburg, Land Baden-Württemberg; Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau; Hauser & Wirth Gallery, Zurich; Pro Helvetia, Arts Council of Switzerland.And: Benz Sportgeräte; Caritas international; Centre Culturel Français Freiburg; Dallmayr Automaten-Service GmbH; Fairkauf Freiburg ; Farben Thon, Freiburg; Brigitte Hagmeyer, Kleiderladen der Freiburger Sozialarbeit e.V.; Kuper GmbH, Freiburg; Ideenhändler International; Messe Freiburg; OBI GmbH & Co KG, Freiburg; Schul- und Sportamt der Stadt Feiburg; Siemens Building Technologies; Theater FreiburgJune 19 - August 8, 2004

 

> ganz normal
23. 4. 2004 - 30. 5. 2004 artist: Thomas Müllenbach

Thomas Müllenbach

Ganz Normal ist der Titel des Katalogbuches wie auch der Ausstellung, die Thomas Müllenbach für den Kunstverein Freiburg konzipiert.
„Ganz Normal" ist der Titel des Katalogbuches wie auch der Ausstellung, die Thomas Müllenbach für den
Kunstverein Freiburg konzipiert. Auf der Galerie zeigt der gebürtige Koblenzer Künstler auf kleinen Formaten alltägliche Momente, wie sie einem begegnen, wenn man den Blick schweifen lässt und dann an irgendeiner Ecke plötzlich hängen bleibt. Da schaut man auf ein Tischbein oder eine Tischkante, sieht über sich eine Deckenlampe schweben, beobachtet nicht weit davon entfernt den oberen Abschluss eines Küchenschranks oder eine geöffnete Schublade. In der großen Ausstellungshalle präsentiert Thomas Müllenbach zudem großformatige Zeichnungen, die jedoch Einblicke in Räume gewähren, die sonst nur schwer zugänglich sind: Mit leichtem und zugleich kargem Strich und einem großzügigen Umgang mit Fläche und Raum lässt Müllenbach uns in OP-Säle und Cockpits blicken.Müllenbach malt und zeichnet seine Sujets meist in entwaffnender Einfachheit, schnell und doch latent virtuos.
Aber mit einer Virtuosität, die nicht von einer übereifrigen Präzision erzählt, sondern den Moment einer Unmittelbarkeit des Blicks ohne Firlefanz in einen gefühlten Denkraum freigibt. Gründe für diesen Prozess finden sich in der Art und Weise wie Thomas Müllenbach Fläche und Raum behandelt: Er hält sich an gewisse Konventionen einer perspektivischen Ordnung der Gegenstände im Raum und überführt sie gleichzeitig in eine grundsätzlich abstrakte Behandlung der Farbflächen. So könnte man auch sagen, dass Thomas Müllenbach nicht die alltäglichen oder auch spezifischen Situationen in Malerei und Zeichnung übersetzt, sondern aus seiner medialen Behandlung der Sujets heraus Alltag durchschimmern lässt. Dieser Prozess eines „Durchschimmerns" –
oder anders gesagt: Dieser Prozess einer osmotischen Transparenz zwischen abstrakter und gegenständlicher Behandlung durchzieht sein gesamtes Oeuvre: Müllenbach durchbricht immer wieder die Banalität seiner alltäglichen Sujets, in dem er sie in einen größeren Kontext entlässt. Er schenkt ihnen eine exemplarische Aufmerksamkeit, doch nicht, weil er sie überhaupt auswählt, sondern weil sie in den Augen der Betrachter zu einer
Projektionsfläche für ein Nachdenken über sich selbst transformiert werden. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, herausgegeben im modo Verlag.


> STOKED
13. 2. 2004 - 4. 4. 2004
artist: Hanspeter Hofmann

Hanspeter Hofmann

Hanspeter Hofmann wird in seiner bisland umfangreichsten
Einzelausstellung in Deutschland sowohl ältere wie aktuelle Arbeiten
zeigen. Es gab einmal eine Zeit Ende der 90er Jahre da dachte man, der in Basel lebende Künstler Hanspeter Hofmann hätte seine künstlerische Sprache gefunden. Das dachten natürlich nur die, die sich rasch zufrieden geben damit, dass ein Künstler sein Label positioniert hat: eine organische Abstraktion in gedämpften Farben und mittleren Formaten, eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Formenkanons. Doch eigentlich hätte man damals schon ahnen können, dass es dabei nicht bleiben kann. Schon seine früheren Arbeiten changieren in ihrer naturwissenschaftlich-mikroskopischen Anmutung zwischen dynamischen Strukturen und einer stimmungsvollen Chillout-Atmosphäre. Im Verlauf der Jahre wurde dieser Zusammenhang deutlicher, die Farben stärker, die Formen großzügiger und die Formate ausschweifender. Hofmann trieb seine Farbgestaltung immer provokativer an die Grenzen der retinalen Belastbarkeit einer poppigen Farbskala: Zur Zeit konfrontiert er pralle Farbkonstellationen mit einer geradezu blubbernden Formensprache.

 


Hofmann arbeitet nach dem Prinzip, Malerei in Form von Versuchsreihen zu entwickeln: Er zitiert in seinen eigenen Bildern und positioniert einzelne Formen und Farb-Konstellationen wie Relikte immer wieder in den kommenden Bildern. Auf diese Weise zeichnet sich sein Werk trotz der rasanten Entwicklung durch eine bestimmte Form von Stringenz aus, denn seine Linien- und Formensprache basiert auf einer ästhetischen Verbindung zu naturwissenschaftlichen Kurven. Stoked ist ein Begriff aus der Surfer-Welt und meint das Lebensgefühl, das man hat, wenn man eins ist mit der Welle: In seine aktuellen Arbeiten integriert er
nicht nur Begriffe wie z.B. Stoked, Sex oder Hardcore, die er entweder malerisch umsetzt oder aus Klebefolie auf die Leinwand appliziert, sondern auch andere Elemente wie einen Adler oder einen Papagei. Hofmanns Bilder zeichnen sich durch eine vitale und somit auch immer wieder wenig versöhnliche Verbindung aus. Es ist die Konfrontation eines malerischen Diskurses der abstrakten Bildtradition mit einer provokativen Bejahung zeitgenössischer Unsicherheit.
Im Kunstverein Freiburg wird Hanspeter Hofmann seine bislang umfangreichste Einzelausstellung in Deutschland realisieren und sowohl ältere wie aktuelle Arbeiten zeigen.
Während der Ausstellung erscheint ein Katalog.



> Ballettabend des Ballett Freiburg, Pretty Ugly
25. 1. 2004 - 25. 1. 2004
Ballett Freiburg Pretty Ugly mit folgenden Choreographien:
7 to 10 passages (William Forsythe) und
Paralipomena (Amanda Miller)

25. Januar 2004, 20:00 Uhr, Kunstverein Freiburg, Dreisamstr. 21 7 to 10 Passages
Choreographie: William Forsythe, Musik: Thom Willems
Paralipomena
Choreographie: Amanda Miller, Musik: Giancito Scelsi Wahrscheinlich zum allerletzten Mal wird das Ballett Freiburg Pretty Ugly die Choreographie 7 to 10 Passages von William Forsythe (Ballett Frankfurt) aufführen. Grundlage für 7 to 10 Passages ist Bewegungsmaterial aus William Forsythes Stück Die Befragung des Robert Scott von 1986, in dessen Entstehungsprozess Amanda Miller damals intensiv eingebunden war. Scotts gescheiterte Südpolexpedition ist die Suche nach einem Fixpunkt, der doch im flüssigen Erdinneren nie festzulegen ist.
Der Begriff Paralipomena kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie Ergänzungen oder Übriggebliebenes. Amanda Millers stimmungsvolle Choreographie wurde 1996 für die Internationalen Tanzwochen Wien produziert und wird im Kunstverein von ihr selbst getanzt. Dieser Ballettabend ist der dritte Teil einer sich entwickelnden Zusammenarbeit zwischen dem Ballett Freiburg Pretty Ugly und dem Kunstverein Freiburg. Im letzen Jahr bereits wurden zwei ausserordentliche Improvisationsabende in der Halle des Kunstverein aufgeführt. Zum ersten Mal nun werden mit diesen beiden Werken zwei extrem ausdrucksstarke Choreographien aufgeführt.

> Regionale 4
28. 11. 2003 - 4. 1. 2004
13 Häuser zeigen Kunst aus der Region / Art contemporain de
la région trinationale
Infos: www.regionale4.net
(Abb.: Regionale 2002 im Kunstverein)

Regionale 4

Künstlerinnen und Künstler / Artistes
Elisabeth Bereznicki, Petra Blocksdorf, Boycotlettes, Copa Sordes, Matthias Dämpfle, Robert Eugler,
Martin KasperDaniel Schlier, Noori Lee, Annette Merkenthaler,
Cristina Ohlmer, Eliane Rutishauser, Gela Samsonidse, Richard Schindler, Sabine WannenmacherManuel Frattini, Christa Ziegler, Dokuraum Nr. 2:
Stefan Hösl Andrea Mihaljevic, Special Guest: Jochem Hendricks, Teilzeitskulptur, 2003Veranstaltungen / Manifestations Bustouren ab Basel Münsterplatz: So/di 07.12.2003 und So/di 14.12.2003, 10.45 Uhr

 

Ausserdem: artforum3 präsentiert zum ersten Mal service point, ein neues Projekt zur Förderung der Freiburger und regionalen KünstlerInnenszene. service point wird als autonomes Modul dauerhaft im Kunstverein Freiburg eingerichtet und lanciert das Online-Kunstmagazin www.regioartline.org.Führungen / Visites guidées
03.12.2003, 18:30
10.12.2003, 18:30Eintrittspreis / Prix dentrée
Freier Eintritt / Entrée libreAdresse
Dreisamstrasse 21, D-79098 Freiburg, T 49 761 349 44, F 49 761 349 14Öffnungszeiten / Heures douverture
Di/ma So/di: 11:00 17:00
Mi/me: 11:00 21:00
24.12.2003, 25.12.2003, 31.12.2003 geschlossen / ferméweitere Orte der Regionale
Le Quai école supérieure dart de Mulhouse (F) / FABRIKculture Hégenheim (F) in Partnerschaft mit
Centre dArt Mobile pour lEurope, C.A.M.E., Alsace / Kunsthalle Basel (CH) / Gundeldinger Kunsthalle,
Basel (CH) / Galerie Werkstatt Reinach (CH) / ARK Ausstellungsraum Klingental, Basel (CH) / [plug.in]
Basel (CH) / Projektraum M54, Basel (CH) / Kaskadenkondensator, Basel (CH) / Städtische Galerie
Stapflehus, Weil am Rhein (D) / Kunsthaus Baselland, Muttanz (CH) / Kunst Raum Riehen (CH)

site:
www.bertold.de